ein schaf Korea

Mo, 9.2.09
Wow, ich bin also nun hier. Mal wieder in einem fremden Land, das ist ja nichts Neues mehr - und doch ist wieder alles anders und es gibt viel zu entdecken.
Der Flug ist gut verlaufen, hatte zum allerersten Mal einen Fensterplatz auf einem Langstreckenflug, was ich super fand. So konnte ich immer wieder mal rausluchsen und hab mir die Gebirgslandschaft der Mongolei (denke ich) und die vielen kleinen Inseln, die Korea im Westen vorgelagert sind, aus der Luft anschauen dürfen. Der Nachteil am Fensterplatz ist, dass man immer jemanden aufwecken muss, wenn man sich mal die Beine vertreten will. Ich hab mir das aber verkniffen und bin doch tatsächlich die ganzen 10 Stunden in meinem Sitz geblieben.
Umso erleichterter war ich dann doch, als ich den ersten Fuß auf koreanischen Boden setzen durfte. Ein kleiner Schritt für mich - aber ein großer Schritt für meine Zukunft. Hoffe ich jedenfalls, denn Ich hab mir einiges vorgenommen in der Zeit, die ich hier bin. Was genau wird noch nicht verraten, denn wenn es der Geheimhaltung unterliegt, gelingt es mit größerer Wahrscheinlichkeit. Das ist natürlich nur eine Theorie und dazu noch eine Solche, die jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt... Aber das macht der Jetlag. 8 Stunden Zeitunterschied steckt man eben nicht einfach so weg. Deshalb sitze ich auch jetzt hier, am sehr frühen Morgen des 9. Februar, nach einer doch recht schlaflosen Nacht.

Wie es weiter geht? Wir dürfen gespannt sein...


Di, 10.2.09
Mein erster Eindruck von Korea ist, dass die Architekten hier keinen Geschmack haben. Wohin man auch schaut, befindet man sich nicht grade im Kern einer größeren Stadt, sieht man ständig zigstöckige Hochhäuser, jedes von Ihnen mit einer Nummer versehen und am Liebsten noch direkt neben der 8-spurigen Autobahn gelegen. Der Anblick erinnert stark an die guten alten Plattenbauten, die zu DDR Zeiten vielerorts aus dem Boden gestampft wurden. Noch absurder ist nur, dass die Koreaner es scheinbar total chic finden, dort zu wohnen.
Ein weiterer Punkt, der mir Rätsel aufgibt, ist das Essen. Dass es hier rohen Fisch in großen Mengen und unzähligen Variationen gibt, dürfte ja bekannt sein. Mich verblüfft nur, dass es den Menschen hier scheinbar aufrichtig schmeckt. Zum Mittagessen war ich gestern in einem Restaurant mit Buffet, wo ich diese Art zu essen miterleben durfte. Für westliche Verhältnisse ist die Küche hier höchst gewöhnungsbedürftig, soviel sei gesagt.

Sushi, Sashimi & Co



Fr, 13.2.09
Die Koreaner machen es dem nicht ihrer Sprache mächtigen alles andere als leicht. Auch wenn man generell sagt, Deutsche sind willkommen und hoch angesehen, so vermögen doch nicht viele der Einheimischen, sich mit einem zu verständigen mangels Sprachkenntnissen beiderseits. Da gehts dann halt nur mit Händen und Füßen. Wie aber mit der Müslipackung kommunizieren? Ok, das Bild wäre hier wohl schon recht aussagekräftig. Aber was ist mit all den anderen Sachen, die der Europäer noch nie zuvor gesehen hat, die es aber in riesigen Mengen hier zu finden gibt? Wo weder das Bild auf der zugeschweißten Plastikverpackung, geschweige denn die befremdenden Schriftzeichen eine befriedigende Auskunft über den Inhalt oder die Art der Zubereitung geben können? Hier bleibt einem wohl nichts anderes übrig als die "Augen zu und durch" Methode, sprich, einfach mal (aus)probieren und hoffen, dass es sich dann auch wirklich um etwas essbares handelt, dann im Kochtopf landet und nicht etwa die koreanische Version eines Reinigungsmittels.
Und eben dafür bin ich ja hier. Neues entdecken und staunen - oder den Brechreiz unterdrücken - was grade zur Situation passt.

Mittag im Restaurant



So, 15.02.09
Genau eine Woche bin ich nun hier. Bis jetzt ist alles noch ein bisschen unorganisiert und auch ungewohnt, sowohl für mich als auch für meine Gastfamilie. Mein Gastvater, Michael ist Deutscher und meine Gastmutter Koreanerin. Das Baby, dass ich betreue heißt Sienna und ist knapp 6 Monate alt.

Sienna


Bis jetzt komme ich mit ihr gut zurecht, sie ist aber auch wirklich pflegeleicht, lacht viel, isst vernünftig - so wünscht man sich sein Kind.
Mein Gastvater gibt sich große Mühe, mir zu helfen mich gut einzuleben. Am Samstag sind wir abends zusammen in einen Club in Seoul gefahren (JJ Mahoney's im Grand Hyatt), was echt cool war.
Was momentan noch nicht so gut klappt ist das durchschlafen. Ich wache wie in der ersten Nacht noch immer zwischen 2 Uhr und 4 Uhr morgens auf - und brauche dann mindestens 2 Stunden um wieder einzuschlafen.

Do, 19.2.09
Der Grund, warum ich nicht sehr oft schreibe, ist der, dass es nichts aufregendes zu berichten gibt. Ich putze hier täglich das Haus von oben bis unten,

das Haus meiner Gastfamilie


mache die Wäsche usw. - nur kochen tu ich nicht. Geb Sienna nur morgens die Flasche und abends soll ich sie ins Bett bringen. Was leider gar nicht klappt. Sie schreit dann wie am Spieß nach ihrer Mama, was ich erstmal begreifen musste, denn sie war ja auch schon mal den ganzen Tag mit mir allein und es war ok. Die Flasche geb ich ihr morgens ohne Probleme, spiele danach noch mit ihr. Aber abends - ein Akt ist das immer - meine Gastmutter musste mir bis jetzt noch jedes Mal helfen; sobald sie das Zimmer betritt ist Ruhe im Karton. Aber ich kann machen was ich will - sie schreit weiter. Ohne Mama gehts abends einfach nicht.
Heute bin ich zum zweiten mal Auto gefahren. Meine Gastmutter auf dem Beifahrersitz hat mich gelotzt und ich hab den Rest gemacht. Lief recht gut. Beim ersten mal wars ja ne mittlere Katastrophe mit dem Parken... Heute konnte ich mich auf diese Art mit der Umgebung etwas vertrauter machen. Erst waren wir im Supermarkt (nur Produkte aus Korea, puh) und danach bei einem nahegelegenen Skigebiet, wo ich mich hoffentlich mal wieder hinverirren werde, denn Ski fahre ich ja sehr gern - und das ist nun echt um die Ecke, 5 min Fahrt vielleicht. Genial!

Di, 24.2.09
Seit über zwei Wochen bin ich hier und leider klappt immer noch nicht alles richtig. Die größten Probleme hab ich nach wie vor mit dem Baby am Abend. Um das in den Griff zu kriegen, verbringe ich jetzt insgesamt mehr Zeit mit Sienna. Meine Gastmutter ist mit den Nerven bald am Ende glaub ich, auch wenn sie versucht, sich das nicht so anmerken zulassen. Am Wochenende hat es allerdings geknallt auch weil sie meinte ich würde nicht richtig putzen und ich solle doch bitte auch am Wochenende arbeiten. Meine Vorstellungen und die von meiner Gastmutter gehen bis jetzt noch in zwei völlig verschiedene Richtungen und eine Einigung zu finden, wird schwierig aber mit der Hilfe meines Gastvaters hoffentlich gelingen. Nach dem Streit mit meiner Gastmutter war ich ganz schön am Ende, weil es für mich natürlich auch nicht leicht ist in einem fremden Land, bei Leuten zu wohnen, deren Erwartungen ich nicht erfüllen kann. Dachte schon an Sachen packen und wieder nach Hause.
Aber so schnell will ich dann doch nicht aufgeben und so hab ich beschlossen, mit meinem Gastvater über die gesamte Situation zu sprechen. Vielleicht wäre alles gar nicht so eskaliert, wenn er nicht letzte Woche auf Geschäftsreise gewesen wäre. Mit meiner Gastmutter allein wars schon manchmal gruselig, wir hab nicht allzu viel geredet und wenn dann nur so oberflächliches Zeug. Ich merke schon, dass sie unzufrieden mit mir ist, nur daran, wie sie sich mir gegenüber gibt und das ist natürlich ganz schön hart für mich gewesen, dann nur sie zu sehen die ganze Woche - und das schreiende Baby.
Nach dem Gespräch mit meinem Gastvater, der Verständnis zeigte, wird sich die Situation aber hoffentlich bessern. Wir stehen ja noch ganz am Anfang, wäre auch unheimlich, wenn gleich alles glatt ginge. Eine große Last wird von mir fallen, wenn Sienna endlich akzeptiert, dass ich sie jetzt abends ins Bett bringe und sie nicht mehr schreit als würde ich ihr sonst was antun. Auf diesen Moment warte ich nun sehnsüchtig.

Do, 26.2.09
Oh man, ich fühl mich sooo befreit! Heute haben wir uns zu dritt zusammen gesetzt und geredet. Jeder hat klar gemacht, was er will und was er nicht will, mein Gastvater hat dabei vermittelt und am Ende sind alle glücklich und zufrieden. Jetzt scheint sich doch alles noch zum Guten zu wenden. Mal sehen, ob wir die Vereinbarungen schaffen umzusetzen. Wenn ja wird alles gut.

So, 01.03.09
Nachdem ich am Freitag die ganze Nacht babysitten durfte war ich gestern das allererste Mal richtig unterwegs. Ohne Gastfamilie, ohne Baby, einfach mal mit anderen Leuten. Wir waren in Seoul wandern. Es waren 2 Deutsche, die schon seit einigen Jahren hier leben und einige koreanische Studenten sowie deren Professor dabei. Es hat wirklich großen Spaß gemacht auch wenn ich leider keine Wanderschuhe hatte und es schon ganz schön steil bergauf ging.


Die Freundlichkeit der Koreaner war wirklich überwältigend, sie helfen wo sie können hab ich das Gefühl. Nach dem Wandern waren wir noch alle zusammen Essen. Ich hatte wirklich einen tollen Tag, es hat mir sehr viel Spaß gemacht und vor allem konnte ich mal abschalten.

Do, 05.03.09
Ich versuche ein Bisschen raus zu kommen. War gestern mit dem Auto in einer nahegelegenen Stadt und heute mit dem Bus. Allerdings hat es mich nicht wirklich weiter gebracht, da ich gestern die meiste Zeit mit Parkplatzsuchen verbracht habe und es heute in Strömen geregnet hat. Das Busfahren war auch nicht einfach; hier in der Pampa spricht kein Mensch Englisch. Hätte fast nicht den richtigen Bus für den Rückweg gefunden, zum Glück hat mir meine Gastmutter aber den Namen der Haltestelle aufgeschrieben, nur deshalb kam ich wieder heile zu Hause an - heil aber nass.
Mein Gastvater ist grad wieder auf Geschäftsreise, morgen kommt er zurück. Mit dem Baby klappts jetzt schon viel besser, dennoch habe ich das Gefühl, dass meine Gastmutter mit meiner Arbeit (und vielleicht auch mit meiner Anwesenheit) nach wie vor gar nicht zufrieden ist. Ich werde noch einmal das Gespräch suchen müssen, um endgültige Klarheit zu haben, ob ich denn nun eigentlich hier bleiben darf/soll oder nicht. Denn in dieser Ungewissheit, in der ich momentan lebe, kann ich überhaupt keine Pläne machen. Wozu einen Flug nach Peking buchen, wenn ich ihn vielleicht nie antreten kann? Nach einem Monat sollte es eigentlich funktionieren mit der Arbeit aber wenn die Chemie einfach nicht stimmt, kann man auch nichts erzwingen. Vielleicht sitz ich ja nächste Woche schon im Flieger; allerdings nicht nach China sondern heimwärts.

Fr, 6.3.09
Heute hatte ich frei, da meine Gastmutter den ganzen Tag unterwegs war. nichtsdestotrotz durfte ich um 8 aufstehen und mich um das Baby kümmern, weil meine Gastmutter sich fertig mach musste. Als sie weg war, hab ich mich langsam fertig gemacht und bin Mittags mit dem Bus wieder nach Yongin gefahren, wo ich die letzten zwei Tage auch schon war. Eigentlich wäre das Wetter perfekt zum Skilaufen gewesen, aber ohne Auto wusste ich nicht, wie ich da hinkommen soll.
Bin ich also ein Bisschen umher geirrt, hier mal in nem Schuhladen rein, da mal nach Klamotten geschaut - aber alles zu teuer oder nicht schön. War auch auf einem Markt, wo es die skurrilsten Sachen gab. Ein Gang dort war regelrecht unheimlich, dort lagen Haufenweise Schweineköpfe rum und Gedärme wurden mit Wasser gespült... Eklig!


Neben Seetang, jeder Menge Kimtchi und riesigen Chilischoten wurden auch Hühnerfüße, viele Fische, deren Namen ich nicht kenne und andere, tentakelartige Meeresbewohner zum Kauf und folglich heimischen Verzehr angeboten.
Die Sonne hat zwar geschienen aber es war trotzdem ziemlich kalt. Zu meiner Überraschung wurde selbst in vielen Läden nicht richtig geheizt. Daher bin ich bald wieder zurück gefahren. Allein is das auch irgendwie alles nicht sooo aufregend. Ehrlich gesagt war das, worauf ich mich heute am meisten gefreut habe, Essen. Schon seit Tagen geht das so. Essen ist mein Mittelpunkt. So kann das doch nicht weitergehen, ich sehe mich schon aufgehen wie einen Hefekuchen!


So, 8.3.09
Das Projekt "Au Pair in Korea" wurde heute offiziell und einstimmig abgebrochen - aber mal alles der Reihe nach:
Gestern bin ich auf Anraten meiner Gasteltern über meinen Schatten gesprungen und ganz allein mit dem Bus nach Seoul gefahren. Zugegeben, ich hatte Angst weil ich nicht wusste wo ich einsteigen, aussteigen und geschweige denn wie ich wieder zurück kommen soll. Mit Hilfe des unübersichtlichen U-Bahn Netzes mit unaussprechlichen Haltestellen sollte ich in den Stadtteil namens Dongdaemum gelangen, denn dort gibt es unzählige Shopping Center und ich hatte zu viel Geld.
Was soll ich sagen, es hat alles ohne Probleme geklappt ich habe auf Anhieb den richtige Bus und die richtige U-Bahn gefunden und hab mich nicht annähernd verlaufen. Ich war von mir selbst überrascht! Dann war ich nach Herzenslust shoppen für um die 100.000 Won. Ein Einkaufzentrum dort war wirklich größer als das Nächste, super Preise auf 20 - 30 Etagen, ein Paradies!


Zu Hause angekommen, ohne Zwischenfälle, wie ich noch mal betonen möchte, hatten meine Gasteltern Besuch von einem Deutschen, der schon viele Jahre hier arbeitet und sich gut mit meinem Gastvater versteht. Die Beiden wollte noch wegfahren und da sie beide was trinken wollten, hatten sie die Idee mich als Fahrer mitzunehmen - und natürlich auch weil ich sonst ja keine Möglichkeit hab, mal auszugehen. Meine Gastmutter war aber dagegen. Dennoch sind wir zusammen losgefahren, hatten einen schönen Abend in Seoul und dafür am nächsten Morgen das Donnerwetter.
Es gab eine heftige Auseinandersetzung zwischen meinen Gasteltern. Es ging um den ganzen letzten Monat und meine Arbeit und meine Person. Genaueres weiß ich nicht, da ich nicht hinhören wollte. Habe nur einen Satz meine Gastmutter in lebhafter Erinnerung "I don't want to leave Sienna with her!" Da wars für mich klar, ich muss hier so schnell wie möglich weg, wollte meiner Gastmutter gar nicht mehr unter die Augen treten, für wie unfähig muss sie mich halten, dass sie mir nach einem Monat hier immer noch nicht zutraut, mit dem Baby einen Nachmittag allein zu sein. Das hat mich sehr verletzt und deshalb habe ich danach dicht gemacht und wollte nicht noch mehr hören. Davon abgesehen, waren die Worte ja sowieso nicht für meine Ohren bestimmt.
Ich bin dann irgendwann in mein Zimmer geflüchtet und hab mich schon im Flieger sitzen sehn. Irgendwann hatte ich dann die Möglichkeit, kurz mit meinem Gastvater allein zu sprechen und sagt ihm, dass ich nicht glaube, dass dieses Problem ein lösbares ist und er stimmte mit zu. Er meinte, meine Gastmutter würde morgen anfangen, sich nach jemand anderem umzusehen.
Dann sagte er aber noch etwas, womit ich gar nicht gerechnet hatte und was ich auch immer noch nicht so richtig glauben kann. Meine Gastmutter will mich nicht einfach so zurück nach Deutschland schicken, da hätte sie ein schlechtes Gewissen. Stattdessen soll ich noch ein wenig bleiben und noch mal nach China und nach Japan fliegen, das hatte ich mir ja so sehr gewünscht. Wenn das wirklich ernst gemeint war, weiß ich gar nicht, wie ich das wieder gut machen kann.
Ich hatte mich ja schon mit Sack und Tüten vor die Tür gesetzt gesehen, so nach dem Motto nun sie mal zu, wie du nach Hause kommst. Aber meine Gasteltern meinen es doch wirklich gut mit mir.
Irgendwie widersprüchlich aber so is das heute gewesen. Bin auf morgen gespannt...


Di, 10.3.09
Meine Reiseplanung ist in vollem Gange, nach Peking soll es gehen zur Chinesischen Mauer und nach Tokio. Die Sekretärin meines Gastvaters kümmert sich da drum, besorgt das Visum für China, bucht die Flüge usw.
Heute Abend haben wir wieder Monopoli gespielt und es war eine sehr angenehme Atmosphäre. Vielleicht ändert meine Gastmutter ihre Meinung doch wieder, allerdings würde mir das nicht wirklich so gut gefallen, dieses Hin- und Her ist auch ganz schön anstrengend. Alle wissen Bescheid, dass ich bald nach Hause komme und ich plane ja auch schon für diese Zeit, die ich jetzt wieder habe.

Do, 12.3.09
Hier geht jetzt alles Schlag auf Schlag. Montag hat mein Gastvater sich um mein Visum für China gekümmert, gestern hatte meine Gastmutter schon einen neuen Babysitter hier zum "Vorstellungsgespräch" und meine Reise nach Tokio startet bereits morgen! Ich bleibe 4 Nächte dort, wird ein recht teurer Spaß aber das gönne ich mir jetzt einfach mal!

Fr, 13.3.09
Wow, das war eine Reise heute! War laaange unterwegs mit viel falsch fahren und zu spät kommen und nicht wissen wo wann und warum. Aber letztendlich bin ich doch noch an meinem Ziel, einem kleinen Hostel im gro?en Tokio, angekommen.
Nachmittags um 4 hat meine Gastmutter mich zum Bus gebracht, der Flug war 19.40, da koennte man denken, es ist genug Zeit. Leider gings aber schon damit lo,s dass wir zuspaet am Terminal waren und ich den Bus zum Flughafen verpasst hab. Dadurch hab ich schonmal ne halbe Stunde verloren. Musste dann einen anderen Bus nehmen, der mich nur irgendwo nach Seoul gefahren hat, und ich dann noch 3 Mal mit der U-Bahn umsteigen musste, bis ich am Flughafen war. Da war es dann schon 19 Uhr. Leider war ich am falschen Terminal was mir aber recht spät auffiel. Mit dem Shuttlebus musste ich also zum Internationalen Terminal fahren. Da ich ein wenig unter Zeitdruck stand, fragte ich den Fahrer, wie lang die Fahrt denn dauern wuerde und er meinte 30 min. Da blieb mir fast das Herz stehn, ich war am verzweifeln! Hab noch mal gefragt, ob es nicht eine schnellere Möglichkeit gibt, weil ich sonst meinen Flug verpasse aber das hatte er gar nicht erst verstanden. Ich wollte in meiner Verzweiflung meinen Gastvater anrufen aber der ging nicht ans Handy. Ich war den Tränen nahe...
Um so überraschter war ich, als wir nach ca. 10 min Fahrt am Inernationalen Terminal ankamen. Ich war sooo erleichtert aber musste mich natürlich trotzdem wie blöde beeilen. Beim Check In wurde ich freundlich darauf hingewiesen, dass man doch bitte eine Stunde vorher schon da sein soll, ich dagegen komme zum Einchecken, wo schon Boarding Time ist. Sobald ih meinen Reisepass wieder in den Händen hielt, hab ich mich kurz orientiert und bin losgestürmt zum Security Check. Und - oh Schreck - eine scheinbar endlos lange Schlange. Das hatte mir grade noch gefehlt. Ich dachte jetzt gehts um die Wurst und habe mich freundlich mit einer Entschuldigung, dass ich spät dran wäre, vorgedrängelt, was auch von den meisten akzeptiert wurde.
Schnell die Jacke aus, Koffer durch den Scanner und weiter - aber nein, der nette Herr vom Flughafen wollte sich gern meinen Laptop noch mal etwas genauer anschauen.
Als auch das geschafft war, rannte ich zum Gate, es war schon niemand mehr zu sehen bis auf die Flugbegleiterin am Eingang. Gott sei dank dachte ich, sie sind noch da! Als sie mein Ticket nahm und mir den Abriss gab, viel mir ein unglaublicher Stein von Herzen!
Und welch positive Ueberraschung: ich hatte einen Platz in der Business Class. Das fand ich ja mal obercool. Eigener Fernsehr, Programm selbst waehlen und starten, unglaublich viel Platz, immer jemand da, der was zu trinken serviert, leckeres Essen - sehr cool.
In Tokio gelanden stand ich dann erstmal da. Es war ein unglaubliche hin und her mit Shuttlebus bis ich dann endlich mal am richtigen Terminal war und auch mein Geld gewechselt hatte. Dann gings an die U-Bahn. Oder Metro oder Skytrain oder wie das hier auch alles heißt. Es gibt so viele verschiedene Streckennetze hier, da wird mal verrueckt. Ich hab mir natürlich auch promt ein total falsches Ticket gebucht. Kam zwar am Ende richtig an aber musste noch mal drauf zahlen, weil ich mit den falschen Zug zum richtigen Ort gefahren bin. Bescheuert.
Raus aus der Station - rein in die völlige Ahnungslosigkeit. Nun wusste ich wirklich nicht mehr weiter. Gott sei dank hat ein Ortsansässiger wohl Erbarmen mit mir verloren dreinschauendem Geschöpf gehabt und mich doch glatt zum Ort der Bestimmung begleitet.
Da war ich nun. Nach 8 Stunden unterwegs und Stress und Hetzerei - endlich am Ziel. Schlafenszeit!

So, 15.3.09
Gestern war trotz Regen ein ereignisreicher Tag und auch heute habe ich viel gesehen und erlebt.
Tokio ist eine unheimlich grosse Stadt, wo man zu Fuss nicht weit kommt. Bin immer mit der U-Bahn unterwegs oder der PMetro oder wie die verschiedenen Zugsysteme nicht alle heissen. Gestern hatte mich ein Deutscher, der schon etwas laenger hier in Japan ist, an die Hand genommen und hat mir ein paar Dinge gezeigt.
Angefangen bei dem riesigen Bahnhof Shijuku wo man sich ewig drin verlaufen kann. Von dort aus haben wir uns auf dem Rathaus (glaub ich) im 45. Stock die Aussicht angeschaut. Leider war es ein verregneter Tag aber trotzdem hat man mal einen Eindruck bekommen, wie riesig diese Stadt ist.
Weiter ging es nach Shibuja wo die Menschen von oben aussahen wie ein Ameisenhaufen, alles wild durcheinander aber irgendwie stossen sie doch nicht zusammen. Es war wirklich beeindruckend, diese Kreuzung zu sehen, an der sich bis zu jeder Gruenphase erneut wieder hunderte Menschen am Strassenrand versammeln um dann von allem Seiten gleichzeitig kreuz und quer ueber die Strasse zu stuermen.
Am spaeten Nachmittag sind wir auch noch zum Tokio Tower gefahren, der sowas wie das Wahrzeichen der Stadt darstellen soll, eigentlich aber nur eine billig erscheinende Kopie des Eifelturmes ist. Dennoch ein Must-See und ich war froh, dass wir dort waren denn von etwas weiter oben habe ich einen Park entdeckt, wo wunderschoene Gebaeude im alten japanischen Baustil standen. Ausserdem haben wir dort die Moeglichkeit gehabt, uns einen Friedhof anzusehen, was sehr interessant war.
Heute war ich dann in einem Stadtteil, wo sich Sonntags viele Japaner verkleiden, die meisten entweder im Grufty Style oder als waeren sie dem Musical Grease entsprungen. Was das eigentlich zu bedeuten hatte kann ich mir nicht erklaeren. Als wir dann auch noch einen Mann sahen, der ein Schild hochhielt, auf dem er mit "Free Hug" also zu Deutsch mit einer kostenlosen Umarmung warb, habe ich nichts weiter gesagt und das ganze Erlebnis unter "Japan eben" abgespeichert.
Es gibt noch so viel mehr zu berichten, auch so viele Kleinigkeiten aber ich komme mit dem Schreiben leider gar nicht hinterher. Die Toiletten hier zum Beispiel sind ein Kapitel fuer sich.

Di, 17.3.09
Nach nur 4 Stunden Schlaf hab ich mich mitten in der Nacht aus dem Bett gequält. Denn auf dem Tagesprogramm stand Fischmarkt und der beginnt nunmal 5 Uhr morgens und da ich nicht die weite, teure Reise gemacht hab um den halben Tag zu verpennen sondern um unvergessliche Erfahrungen zu machen, klingelte mich mein Wecker nachts um 4 aus dem Bett.
Und was soll ich sagen - ich bereue nichts. Obwohl ich die Auktion verpasst habe, waren es dennoch tolle Eindrücke, die ich dort sammeln konnte. Unzählige Sorten Fisch und Meeresgetier, in sämtlichen Größen, tot und lebendig, von tiefgefroren bis schon fertig zubereitet. Dort gibt es alles, was das Feinschmeckerherz begehrt.
Nachdem ich mich auf dem riesigen Gelände einigermaßen sattgesehen hatte, bin ich gegen 7 zu einer nahegelegenen U-Bahnstation gegangen, wo ich mich mal mitten in die Rush Hour stürzen wollte.
Shinjuku ist einer der geschäftigsten Bahnhöfe der Welt, ca. 2 Mio Menschen sollen da jeden Tag durchkommen. Kaum vorstellbar aber wenn man dann mal da ist, kein Vorrankommen ist und die Leute wie Ameisen um einen herrum wuseln, dann denkt man doch: Irgendwo muss da ein Nest sein. Ein gewaltiges Nest ohne Boden.
Zum Frühstück war ich dann wieder im Hostel, so ca. 8 Uhr. Für den weiteren Tag hatte ich noch nicht wirklich einen Plan und so habe ich mich zwei Schweden angeschlossen, die einen total verrückten Reiseführer aus dem Internet hatten, dem wir dann gefolgt sind. Auf dieser Entdeckungstour haben wir einige verrückte und krasse Sachen gesehen. 
Japan ist nicht Deutschland, das sieht man nicht nur am Kanji auf den Reklametafeln oder an der eintönigen Haarfarbe der Asiaten. Unterschiede finden sich bei genauem Hinsehen überall. Der Schwamm für die Körperhygiene wird durch ein aufgesticktes Gesicht zum possierlichen Tierchen, Eis kann man im 7 Eleven kaufen oder mit etwas weniger Geld und viel mehr Glück aus einem dieser Automaten holen, wie man sie auf jedem Jahrmarkt in Deutschland mit Kuscheltieren und Klimmbimm gefüllt findet. Für Menschen mit Erkältung gibt es hier für Jedermann Masken zu kaufen - wie sie bei uns nur Ärzte tragen - und zwar um andere Leute nicht anzustecken. (Wobei man die auch in Korea findet.)

Do, 19.3.09
Meine Gasteltern haben mich gestern Abend in ein Japanisches Sashimi Restaurant eingeladen. Mein Flug ging heute schon verdammt früh aber das war egal. In Tokio konnte ich mir kein richtiges Restaurant leisten, deshalb musste das sein. Das Essen war sehr spektakulär; es gab unzählige Gänge. Trotzdem kann ich nur immer wieder betonen kann, dass mir roher Fisch zu roh ist. Es gab unzählige Gänge, Einiges hat auch recht gut geschmeckt, vor allem der Hummer, der übrigens gegart war. Um den Alkohol bin ich diesmal auch nicht drum herum gekommen, musste wohl oder übel mittrinken. Der Abend war auch echt lustig, waren alle ein bisschen angeheitert und haben viel gelacht.
Als nach ca. 4 Stunden alle Gänge verputzt waren, dachte ich, jetzt geht’s nach Hause, aber nichts da. 23 Uhr mussten wir noch in eine Karaoke Bar gehen. Ich wollte das ja die ganze Zeit lang schon machen, die ich hier bin und es hat auch total Spaß gemacht. Nur leider waren wir dann ziemlich spät zu hause und ich musste auch noch packen. So kam es, dass ich nur gut eine Stunde Schlaf hatte und fast noch mein Taxi verpasst habe, dass kurz nach 5 bereit stand. Im Bus zum Flughafen wollte ich etwas schlafen allerdings ist mir kurz vor Abfahrt aufgefallen, dass ich das allerwichtigste vergessen hatte: meinen Fotoapparat. Ich, total verzweifelt klingele meine Gastmutter aus dem Schlaf, frag sie was ich tun soll; sie weiß gar nicht wie ihr geschieht, ganz verschlafen meint sie, dass ich dann halt Leute fragen muss, ob sie mir Fotos per E-Mail schicken. Ein Alptraum! Noch mal zurück zu fahren, was ich am liebsten gemacht hätte, dafür war absolut keine Zeit.
Jetzt war guter Rat teuer. Nach kurzem Überlegen wurde mir aber schnell klar, dass ich nie mehr glücklich werden würde, wenn ich die beeindruckenden Bilder der Chinesischen Mauer nur in meinem Kopf mit zurück nach Deutschland nehmen könnte. Also hab ich in meine Geldbörse geschaut und entschieden, das ich meine restlichen Won, die in China eh nicht viel wert sind, in eine neue Digicam investieren würde. Gesagt getan. Habe am Flughafen einen kleinen Elektronikladen gefunden und mir für ca. 100 Euro eine neue Kamera gekauft. Es gab sogar noch ein Stativ, ne Speicherkarte und eine Tasche dazu. War eigentlich ganz zufrieden.
In Peking gelandet musste ich mich erstmal orientieren. Am einfachsten geht das natürlich, wenn man jemanden fragt aber zu meiner Überraschung haben die Leute hinter einem Schalter, der auf Englisch mit Tour & Hotel Info beschriftet war kein Wort Englisch gesprochen. Ich dachte schon mal wieder ans verzweifeln aber bei meinem Glück kommt natürlich einer zu mir rüber, kaum dass ich mich vom Schalter entfernen wollte und fragt mich auf fast perfektem Englisch, ob ich Hilfe bräuchte. Ja, die hab ich in der Tat gebraucht! So hab ich mich dann auch ohne weitere Probleme zu meinem Hostel gefunden, wo ich schon 13 Uhr einchecken konnte.
Bin aber nicht lang dort geblieben, denn ich wollte ja entdecken. Den Brummschädel und die Müdigkeit hab ich erfolgreich verdrängt und bin los gepilgert, um mir die Verbotene Stadt anzuschauen. Ein riesen Komplex von Palästen und so wunderschönen alten Gebäuden. Kaum war ich 5 Minuten drin fiel mir auf, dass meine brandneue Kamera nicht mehr in meiner Hand und auch nicht in meiner Tasche zu finden war. China ist ein armes Land und ich vermutete schon das Schlimmste! Habe versucht, schnell nachzudenken und dann bin ich wie der Blitz zurück zum Ticketschalter gerannt, wo ich sie doch tatsächlich hatte liegen lassen. Oh man, so was kann auch nur mir passieren, irgendwann vergesse ich noch mal meinen Kopf...
Einige Stunden habe ich dann jedenfalls dort verbracht und natürlich viele viele Fotos gemacht. Da ich aber auch mal mit drauf wollte, musste ich hin und wieder jemanden Fragen, ob er mal eins von mir schießt. Als ich es bei ein paar jungen Mädchen versuchte, willigten sie sofort ein und sobald eine das Foto gemacht hatte, kamen links und rechts 2 ihrer Freundinnen, stellten sich dicht neben mich, grinsten fett in die Kamera und wollten unbedingt mit mir fotografiert werden. Dann wurde noch mal getauscht, damit jeder mal drauf kommt. Das müssen wohl auch ein paar andere Mädchen mitbekommen haben und so stand ich da bestimmt 5 Minuten, weil alle ein Foto mit mir haben wollten. Ich musste mir so sehr das Lachen verkneifen, damit hatte ich absolut nicht gerechnet!
 
 
Fr 20.3.09
Man merkt schnell, dass China anders ist als Japan. Auch wenn es auf den ersten Blick alles das Gleiche zu sein scheint. China ist ein ärmeres Land, es gibt viele Bettler und auch die typische Verkaufsmentalität, die man ich schon aus Tunesien und Thailand kenne. Hier wird man auf der Straße überall angesprochen, wo viele Touristen sind oder wo es halt was zu verkaufen gibt. Keine Preise sind ausgeschrieben, aber mit dem Handeln habe ich ja inzwischen Erfahrung.
Von der Hauptstadt Chinas etwa 2 Autostunden entfernt ist ein gut erhaltener Teil der Chinesischen Mauer gelegen, die sich im Norden Chinas über viele hundert Kilometer erstreckt. Dorthin organisiert das Hostel, in dem ich bin täglich Touren. So sind wir, insgesamt 9 Leute, sehr früh aufgestanden, um dieses Wunderwerk zu sehen.
Die Mauer ist auf verläuft in einer bergigen Landschaft, die allein schon eine Reise wert gewesen wäre. Wir mussten also zuerst unzählige Treppen steigen, bis wir sie erreicht hatte. Die chinesische Mauer zu sehen war schon lange ein Traum von mir und als ich sie dann betreten durfte, war das schon ein tolles Gefühl. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie weit sich die Mauer über Berg und Tal erstreckt. Kaum zu fassen, dass sie von Menschenhand gebaut wurde. Ich stand an einem der Türme, folgte mit den Blicken dem Verlauf der Mauer bis zum Horizont. Wir hatten 3 Stunden Zeit, um die Mauer zu erkunden, also sind wir noch viel mehr Treppen auf und abgestiegen, um immer wieder neue Perspektiven zu entdecken. Diesen Anblick werd ich so schnell nicht vergessen.
Nachmittags war ich dann in der Seidenstraße wo man ganz toll einkaufen kann! Allerdings braucht es schon etwas Gedult, denn wenn man sich für etwas entschieden hat, geht es ans handeln.
Man merkt schnell, dass China anders ist als Japan auch wenn für viele auf den ersten Blick alles das Gleiche zu sein scheint. China ist ein ärmeres Land, es gibt viele Bettler und auch die typische Verkaufsmentalität, die man ich schon aus Tunesien und Thailand kenne. Hier wird man auf der Straße überall angesprochen, wo viele Touristen sind oder wo es halt was zu verkaufen gibt. Keine Preise sind ausgeschrieben, aber mit dem Handeln habe ich ja inzwischen Erfahrung.
Abends bin ich mit ein paar Leuten aus dem Hostel in eine Disco gegangen. Die Musik dort war interessant, es wurde von jedem mal was gespielt, vom Rocksong über Charthits aus vergangen Zeiten bis hin zu griechischer Volksmusik. Das war zumindest mein Eindruck.
 
So, 21.3.09
Peking hat unheimlich viel Sehenswürdigkeiten und nach langem Grübeln konnte ich mich dann auch mal entscheiden, noch einige davon zu besichtigen. Morgens bin ich zum Tiananmen Square, dem größten Platz der Welt. Und es war in der Tat gigantisch. Viel mehr brauch ich dazu glaub ich nicht sagen, in dem Fall sind Fotos wohl aussagekräftiger.
Gestern nachmittag wollte ich mir dann mal einen buddhistischen Tempel anschauen. Der sogenannte Lama Tempel befindet sich in der Nähe das gleichnamigen U-Bahn Stopps und so bin ich dort hin. Der Eintritt hat zu meiner Überraschung nur umgerechnet 0,25 Euro gekostet, was mich ein wenig irritiert aber letztendlich nur gefreut hat. Also bin ich rein und habe auf dem großen Gelände nach dem eigentlichen Tempel Ausschau gehalten. Dabei bin ich hauptsächlich der Masse gefolgt, allerdings kam ich nicht zu einem Tempel sondern zu meiner großen Überraschung auf einen Basar. Dort wurde lauthals mit Mikrofonen für Küchenmaschinen geworben und an unzähligen Ständen alles von Klamotten über Porzellan bishin zu Pflanzen und lebendige Fischen verkauft. in dem Moment kann man sich vorstellen, für wie verrückt ich die Chinesen gehalten hab, so was in einem Tempel zu veranstalten. Und die Verkaufsstände wollten einfach kein Ende nehmen. 30 minuten habe ich schon gesucht und immernoch kein Tempel in Sicht. Nach einer Stunde etwa habe ich dann aufgegeben und bin zurück in mein Hostel. Später habe ich dann erfahren, dass das ein sehr seltsamer Ort war, von dem noch nie wirklich jemand was gehört hat – aber definitiv hatte das nichts mit einem buddhistischen Tempel zu tun.
Bevor ich abends mit Sack und Pack zum Bahnhof bin, musste ich unbedingt noch etwas Verrücktes machen. Ganz in der Nähe vom Hostel war der sogenannte Night Market wo es sämtliche unvorstellbaren Dinge zu essen gab. Es fing ganz harmlos an bei Obst mit Zucker überzogen und ging dann über alle möglichen Meerestiere bis hin zu Skorpionen und Grashüpfern. Ich habe ein paar der aufgespießten Viecher probiert, das musste einfach sein. Hat gar nicht so schlecht geschmeckt auch wenns nicht unbedingt mein neues Lieblingsessen wird. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung.
Dann ging es ab zum Bahnhof, was nicht unbedingt einfach war. Ich hatte einfach viel zu viele Klamotten gekauft, das hatte ich nun davon. Koffer und Tüten treppauf treppab schleppen, denn es gibt leider nicht an jeder U-Bahn Station Rolltreppen. Wenn die U-Bahn einfährt drängeln sich auch schon alle vor dem Eingang und wenn man es dann rein geschafft hat, muss man erstmal zu sehen, wie man wieder raus kommt, denn die Leute die einsteigen, sind nicht immer so nett, andere Fahrgäste erst aussteigen zu lassen. Mir kam es in Peking noch voller vor als in Tokio, die Sitzplätze konnte ich hier nur erahnen aber sie zu benutzten, dazu kam ich nie. Dafür ist es aber auch extrem günstig. Ein Ticket kostet grade mal 0,25 Euro.
Am Bahnhof angekommen, war ich von den Massen überwältigt. Da mein Ticket natürlich in chinesischer Sprache ausgestellt war und auch der Bahnhof nicht auf ausländische Passagiere in Form von englischsprachigen Anzeigetafeln vorbereitet ist, stand ich erstmal da und verstand nur „Bahnhof“. Hab mich dann irgendwie durchgefragt und tatsächlich den Weg durch unzählige Menschen und einen gigantischen Bahnhof ohne zum Nachtzug nach Shanghai gemacht. Ich hatte mit einem Bett gerechnet, was ich aber ohne mein wirkliches Wissen gebucht hatte war ein ganz normaler Sitzplatz. Da Zugfahren im Gegensatz zum fliegen recht preiswert ist, hatte ich ein wenig Angst um meine Sachen und habe mich die gesamte 12-stündige Fahrt lang nicht von meinem Platz bewegt. Mitreisende machten sich mit Hilfe des Heißwasserspenders Nudelsuppe zum Abendbrot. Hätte ich das gewusst – ich hatte nur eine Packung Kekse dabei.
Irgendwann ging es dann auch mal ans Schlafen, was ich nach der vorigen Nacht dringend nötig hatte. Aber wie? Nicht einmal die Rückenlehne der Sitze konnte man verstellen und da ich kein Kissen oder so was dabei hatte, hab ich die ganze Nacht mehr oder weniger damit verbracht, eine bequeme Position zu finden. Wann immer ich aufgewacht bin, tat mir mein Nacken umso mehr weh. Dennoch war ich überrascht, als wir ankamen, mir kam die Fahrt wesentlich kürzer vor als sie war, also muss ich wohl doch ein wenig geschlafen haben.
Mo, 22.3.09
Drei Metropolen innerhalb von weniger als 2 Wochen zu besuchen ist sehr aufregend aber auch ganz schön anstrengend. Denn grade wenn man sich in einer Stadt mal ein wenig auskennt, geht es schon wieder weiter und man fängt aufs Neue an, das U-Bahn Netz und die Sehenswürdigkeiten zu studieren.
In Shanghai war ich daher froh, dass meine Zimmergenossin aus Peking mit dem gleichen Zug gefahren ist und mir zwecks Orientierung ein wenig helfen konnte, da sie die Stadt kennt.
Leider hat das Wetter nicht grade Urlaubsstimmung verbreitet aber da ich nur eine Nacht in dort war, musste ich in den sauer Apfel beißen und trotzdem in die Kälte raus. Habe mir zu erst die beeindruckende und unverwechselbare Skyline Shanghais angeschaut. Nach so vielen Städten die ich schon besichtigt habe, sah ich doch noch nie so viele eigentümliche Wolkenkratzer. Jeder für sich war unverwechselbar und wohl einzigartig in der Welt. In den Bau dieser Giganten wurde mit Sicherheit eine ganze Menge Geld investiert. Geld, dass anderen Menschen offensichtlich fehlt. Denn eine Straße weiter findet man schon das nächste Armenviertel, in dem es wirklich aussieht wie kurz nach dem Krieg. Alles sehr provisorisch, kaputt und dreckig. Ich erinnere mich lebhaft an einen Mann, der sich um die Mittagszeit in seinem womöglich einzigen Hemd bei nicht ein mal 10°C an einem dreckigen auf der Straße angebrachten Waschbecken die Zähne putzte. Die Kleinkinder, die in diesen in der ganzen Stadt verteilten Vierteln wohnen, tragen nicht einmal Windeln, stattdessen haben die Hosen einen Schlitz, so dass sie bei Bedarf einfach auf die Straße machen können. Kein schöner Anblick.
Kommt man dann aber ins Zentrum der Stadt zum Peoples Square, sind die Straßen dort nicht  mit Schlaglöchern überseht, sondern regelrecht mit Gold gepflastert. Links Gucci, rechts Prada und ein paar Schritte weiter der nächste Designerladen, der in blitzblanken Schaufenstern für seine überteuerte Markenmode wirbt. Hier kaufen nur die ein, die es sich leisten können. Das weiß auch die ärmere Schicht, welche auf der Straße vor allem Touristen anspricht, in der Hoffnung, dass der eine oder andere für eine gefälschte Tasche oder Uhr einen unverschämt hohen Preis bezahlt. Ausgeschriebene Preise sind in China nämlich Mangelware. Hier wird gehandelt und wer nicht eiskalt ist und die Strategien der geübten Verkäufer durchschaut, wirft hier schnell sein Geld zum Fenster raus. Oft kann man den zu erst genannten Preis um bis zu 90 Prozent drücken, wenn nicht sogar in Einzelfällen noch weiter. So bin ich zu drei neuen Mänteln, zwei Paar Sneakers, einer Tasche, 2 Schals, noch ein Paar Schuhe und was weiß ich nicht noch alles gekommen – und habe für den Großeinkauf vielleicht 100 Euro gezahlt. „Hoffentlich passt am Ende auch alles in den Koffer“ war danach mein einziger Gedanke, der dieses unheimliche Glücksgefühl ein wenig überschattete.
Am nachmittag hatte ich mir vorgenommen, nun doch endlich mal einen Tempel zu besichtigen, nachdem das in Peking ja gründlich in die Hose gegangen war. Habe mir mit Hilfe einer Karte die grobe Richtung und den Englischen Namen gemerkt und habe mich dann einfach zu Fuß aufgemacht. Ein großer Fehler wie sich bald herrausstellte; ich hatte überhaupt keine Chance diesen Ort ohne die Hilfe einer Karte jemals zu finden, denn Chinesen sprechen normalerweise kein Englisch und daher hat mir auch der Name des Tempels beim Fragen nach dem Weg nicht weitergeholfen. Nun wollte ich aber unbedingt zu diesem Tempel und nicht schon wieder meine Zeit mit sinnlosem Suchen verschwendet haben also ging ich schnurstracks weiter in die, wie ich annahm, richtige Richtung. Nach langem Laufen sah ich doch tatsächlich eine Karte auf der anderen Straßenseite stehen. Da würde ich ja sehen, ob ich richtig bin, dachte ich mir und überquerte die 8-spurige Straße. Zu meinem Bedauern war dies Karte ganz und gar nicht hilfreich, obwohl nach Norden ausgerichtet, was schon viel Wert ist, war leider kein einziger Name oder Ort in Englischer Sprache beschriftet. Ein wenig entmutigt ging ich weiter und dachte nun schon wieder mehr daran, umzukehren. Nach diesem schon recht lang andauernden Fußmarsch durch eine mir völlig fremde Stadt war ich mir inzwischen schon nicht mehr sicher, ob ich mich überhaupt wieder zurückfinden würde. Dennoch ging ich weiter – und wurde belohnt. Als ich mich dem Bahnhof näherte, sah ich plötzlich einige Hotels. Das war meine Rettung. In das erstbeste ging ich hinein und konnte mich nun endlich verständlich machen. Es stellte sich heraus, dass ich nur ein kleinwenig zu weit gegangen aber im Großen und ganzen auf dem richtigen Weg war. Die hilfsbereite Frau an der Rezeption hatte sogar eine Karte für mich, auf der sie mein Ziel und meinen derzeitigen Standort einkreiste, so dass es nun idiotensicher war, dass ich mich hinfinden würde. Ich gedankte mich und ein wenig später kam ich an meinem Ziel, dem Jade Buddha Tempel, an.
Der Aufwand hatte sich durchaus gelohnt denn so konnte ich einer buddhistischen Messe beiwohnen, was überaus interessant war. Der Tempel war mit riesigen, golden glänzenden Buddhastatuen ausgestattet, vor denen sich viele der Besucher auf die Knie warfen. Außerdem wurde in sämtliche Öffnungen, von Kesseln über Teiche bis hin zu offenen Mäulern von steinernen Statuen Münzen geworfen.
Nach diesem interessanten Einblick fand ich mich dank Stadtplan ohne Probleme wieder nach Hause.
 
Di, 23.3.09
Viel Zeit blieb mir nicht mehr, um noch mehr dieser Stadt voller Gegensätze anzuschauen, bevor ich wieder zum Flughafen aufbrechen musste. Ich schaffe es dennoch zum Old Town, wo wie in einer kleinen eigenständigen Stadt zahlreiche Gebäude aus Dynastiezeitalter erhalten waren. In der Mitte befand sich ein kleiner See, in deren Mitte wiederum ein Teehaus stand. Leider war dieser Ort von Touristen überlaufen, und in den Gebäuden war auch nichts anderes als zu finden als Souvenirläden und Restaurants. Einer von vielen Imbissen verkaufte frittierte Küken, was ich hier noch extra erwähnen möchte. Trotz des nur auf dem Tourismus ausgelegten Innenlebens bekam ich eine Vorstellung davon, in welcher Art Häuser man früher hier gewohnt hatte und das reichte mir in dem Moment.
Ich war sichtlich erschöpft von dem ganzen rumgereise der letzten zwei Wochen und freute mich schon auf meinen Rückflug. Meine Füße taten weh, da sie die unzähligen Kilometer, die ich täglich zurückgelegt hatte, nicht gewohnt waren.
Am Flughafen investierte ich mein letztes Geld in ein überteuertes Eis und war frohen Mutes, als ich nach einen kurzen, unproblematischen Flug wieder in Seoul landete. Von dort aus nach Hause zu kommen braucht ein bisschen Zeit und so war ich ca. 23 Uhr an der Bushaltestelle, von der aus mich die Nummer 3 zum Haus meiner Gasteltern bringen würde. Zufällig schaute ich auf mein Handy und entdeckte mit Entsetzen, dass ich 14 Anrufe verpasst hatte. Ich rief also meine Gastmutter zurück; allerdings antwortete mir mein Gastvater, sehr aufgebracht war er weil er mich nicht erreichen konnte und machte mir klar, dass er mit meiner Gastmutter schon seit 3 Stunden in einem Restaurant auf mich warten würde. Diese Nachricht kam sehr unerwartet, denn eigentlich sollte Michael auf Geschäftsreise sein.
Also setze ich mich in ein Taxi und war kurz darauf in besagtem Restaurant. Min Gastvater war schon ein wenig engeheitert aber vermochte es trotzdem oder grade deshalb, sein Bedauern auszurücken, dass ich am nächsten Tag nach Hase fliegen würde. Er bat mir sogar an, in eine deutsche Familie in Seoul zu wechseln aber ich lehnte ab, da ich mich nun wirklich 100% auf zu Hause eingestellt und mich auch schon sehr aufs Heimkehren gefreut hatte.
 
Als Fazit kann ich sagen, dass ich auch diesen kurzen Abschnitt meines Lebens nicht missen möchte, da ich am Ende nur gewonnen habe: neue Freunde und eine Menge unvergesslicher Eindrücke Asiens.

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Wer mich sucht, ich wohne in Junailijankuja 5A 010, 00520 Helsinki.
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